“Hello, we have the Roma Pass”

Mai 2011

Als Kunstgeschichtestudent(in) beschäftigt man sich viel mit Gemälden, Geschichte, Kultur und Architektur. Besonders empfehlenswert ist es daher sich die Werke auch einmal im Original anzuschauen, insofern dies natürlich möglich ist. Und so beschlossen mein Freund und ich meine im Studium erworbenen Kenntnisse gleich einmal in der Praxis auszutesten (damals war ich im 2. Semester). Unser erstes Reiseziel war La capitale d`Italia: ROMA. Eine Metropole reich an geschichtlichen sowie kulturellen Sehenswürdigkeiten, sodass fünf Tage kaum ausgereicht hatten, die gesamte Vielfalt dieser Stadt in sich aufzunehmen. Aber dank unserer strikten Tagesplanung konnten wir dennoch viele Eindrücke sammeln, an die ich mich bis heute noch gerne zurück erinnere.

Tag 1

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Den ersten Tag bzw Abend ließen wir entspannt angehen. Nachdem wir ausgepackt hatten, beschlossen wir den Abend in einem kleinen Restaurant romantisch ausklingen zu lassen. Prost! :-D

Tag 2

Es ging endlich los. Vorab hatten wir einen “Roma Pass” mitgebucht. Eine kleine Karte, die es uns ermöglichte die Metro, Busse und Bahnen in der Stadt und der Umgebung zu nutzen und uns darüber hinaus Ermäßigungen für Museen und archäologische Fundorte einbrachte. Also liebe Leute, falls ihr vor habt Rom zu erkunden, ist der Roma Pass eine sinnvolle Investition und mit 29€ pro Person für Jedermann erschwinglich. :-)

Die erste Station der Tagesplanung sollte eigentlich das Kolosseum werden. Allerdings sind wir an diesem Tag mitten in eine Art Straßenfest geraten, sodass wir bei diesem Ansturm keine Lust hatten ewig anzustehen und uns kurzerhand dazu entschlossen einen Spaziergang entlang der Via Fori dei Imperiali zu unternehmen. Da das Wetter ebenfalls mitspielte bekamen wir einen herrlichen Ausblick auf das Forum Romanum.

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Curia Iulia (links), der Ort, an dem der Senat sich versammelt hatte. Links davon befinden sich die Ruinen der Basilica Aemilia (rechts unten). Sie erfüllte womöglich die Funktion eines Gerichtssaals oder einer Börse.

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Blick auf den Saturntempel (oben). Der älteste Tempel auf dem Forum Romanum. Dieser soll bereits in der Königszeit errichtet worden sein.

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Ich habe ja schon viele lebende Skulpturen gesehen, aber diese hier war für mich mit Abstand die Schönste. Wir spazierten also weiter in Richtung Piazza Venezia.

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Eine Augenweide aus grell-weißem Kalkstein (nicht Marmor!): das Vittoriano . Im Herzen Roms liegt dieses Monument, das für König Vittorio Emanuele II. errichtet wurde. Außerdem findet man hier, wie bei vielen Denkmalen üblich, das Grabmal des unbekannten Soldaten und die Ewige Flamme, die Tag und Nacht von Soldaten bewacht wird.

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Die Terrasse des Vittoriano bot uns einen tollen Ausblick über die Dächer Roms. Direkt gegenüber befanden sich die Trajansmärkte – die Shoppingmall der Antike sozusagen :-).

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Der Tag war noch jung und unser kulturelles Wissbegieren noch lange nicht gestillt. Also machten wir uns auf den Weg zum Piazza del Campidoglio (Kapitolsplatz). Dieser ist nur einen Katzensprung vom Forum Romanum entfernt, so wie die meisten Sehenswürdigkeiten, die sich recht zentral befinden.

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Im Zentrum des Platzes steht das Reitermonument des Kaisers Marc Aurel. Das Pflaster bildet einen großen Stern, dessen Knotenpunkt das Denkmal ist. Das Original befindet sich allerdings im nebenan gelegenen Kapitolinischen Museum, welches wir gleich im Anschluss besucht hatten.

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Im Museum angekommen wurden wir in einem kleinen Innenhof von dieser kolossalen Marmorstatue empfangen. Es handelt sich dabei um Kaiser Konstantin den Großen, der die zwölf Meter hohe Statue nach seinem Sieg gegen seinen Rivalen Maxentius errichten ließ. Ihre Größe ist definitiv beachtenswert! Man vergleiche nur die rechte Hand mit der daneben stehenden Säule und man kann sich ungefähr vorstellen wie riesig diese Statue in aufgerichtetem Zustand gewesen sein muss.

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Im Gebäude bekamen wir Zahlreiches geboten: Wandteppiche, Fresken, Gemälde, Statuen, Büsten von Herrschern oder mythologischen Figuren. So wie z.B. die Darstellung der Medusa. Der Legende nach war sie einst eine schöne Frau mit wunderschönen Haaren. Von den Männern begehrt und von den Frauen beneidet. Als Poseidon Medusa im Tempel der Minerva vergewaltigte, war die Tochter des Iuppiter so darüber erzürnt, dass sie das Haar der Medusa in Schlangen verwandelte und jeder Mann, der ihr von nun an in die Augen sah zu Stein erstarrte.

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Eine der Skulpturen, die man sofort mit Rom verbindet, zumindest wenn man die Sage dahinter kennt: die Kapitolinische Wölfin. Die lebensgroße Bronzeskultpur zeigt die Wölfin, die Romulus und Remus, die mythischen Stadtgründer Roms, säugt.

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Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel wollten wir den Nachmittag etwas entspannter angehen und machten eine Stadtrundfahrt mit einem Hop on Hop off Bus. Man kann einfach an einer beliebigen Stelle an der dieser Bus hält aussteigen, den Ort erkunden und dann einfach an der nächsten Haltestelle wieder einsteigen und weiter an der Stadtrundfahrt teilnehmen. Hier habe ich einen Schnappschuss vom Tempel des Herkules Victor gemacht. Es ist der älteste in Rom erhaltene Bau und wurde größtenteils aus Marmor angefertigt.

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Hier ein Blick auf den Circus Maximus. Mit einer Länge von 600 Metern und einer Breite von 140 Metern war dieser Zirkus der größte Vergnügungsort, der je in Rom erbaut wurde. Die Anlage, die zunächst aus hölzerner Tribüne und Stallungen bestand, wurde in mehreren Umbauphasen durch Marmor ersetzt. Damals fanden hier Wagenrennen statt, heute lädt der geschichtsträchtige Ort zu entspannten Stunden auf den grasbewachsenen Flächen ein.

Tag 3

Endlich! Wir besuchten das Wahrzeichen Roms – das Colosseum. Anschließend verbrachten wir den Nachmittag damit, den Palatin zu erkunden.

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Ich glaube es gibt keinen Tag an dem die Wartezeit am Kolosseum kurz ist. Es sei denn man ist glücklicher Besitzer eines “Roma Pass” und merkt das erst nachdem man schon 15 Minuten mit Anstehen verbracht hat. Als es uns dann doch endlich bewusst wurde, dass wir uns einfach an der Schlange vorbeimogeln konnten und direkt zur Kasse marschieren durften, ging dann doch alles ganz schnell.

Wie man auf dem oberen Bild erkennen kann, ist die Fassade des Kolosseums in drei Geschosse gegliedert, welche in weite Rundbogenarkaden geöffnet ist. Die Arkaden werden von Halbsäulen flankiert, die aufsteigend der dorischen, ionischen und korinthischen Säulenordnung angehören. Ca. 80 n. Chr. wurde die Arena von Titus eingeweiht.

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Die elipsenförmige Arena konnte bis zu 70 000 Menschen fassen. Sie war Schauplatz zahlreicher Spiele wie etwa Gladiatorenkämpfe, Seeschlachten und Tierhetzen, bei denen mehr als 5000 Tiere niedergeschlachtet wurden. Der Kaiser sowie die Senatoren nahmen direkt neben der Bühne Platz. Die mittleren Ränge waren dem Adel vorbehalten, während sich auf den oberen Plätzen des vierten Geschosses das einfache Volk drängte. Kaum zu glauben wie ausgeklügelt die Technik in der Antike bereits war. In der Mitte sieht man die Gänge, die sich unter der Bühne befanden. Dort gab es ursprünglich ein Becken, dass speziell für die Seeschlachten aufgefüllt wurde. Die Arena selbst war mit Holzbohlen bedeckt. Später wurde unter der Regentschaft von Domitian das Kellergeschoss (das man heute sehen kann) ausgebaut. Hier befanden sich nun das Waffenlager, die Tierkäfige sowie die Zellen der Gladiatoren. Total spannend. Toll war auch zu sehen, dass viele Schulklassen ihren Geschichtsunterricht dorthin verlegten. Da kann man als Schüler nicht meckern würd ich mal sagen.

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Und jetzt noch schnell ein Erinnerungsfoto, bevor es zum Palatin geht. Cheeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeesssssssssssssssssssssse!!!

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Auf dem Weg dorthin kamen wir noch am Konstantinsbogen vorbei: Ein Triumphbogen zu Ehren von Kaiser Konstantin errichtet, der Maxentius 312 in der Schlacht an der Milvischen Brücke besiegte.

Auf dem Palatin wurde der Legende nach die Stadt Rom 753 v. Chr. gegründet. An diesem historischem Ort befanden sich unter anderem die Kaiserpaläste. Ursprünglich wurde der Hügel als Palatium (lat. Palast) bezeichnet und bezog sich damit allgemein auf die gesamte Anlage. Der Name Palatinus tauchte erst in der Renaissance auf.

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Hippodromus Palatii: auch als Stadion des Domitian bekannt, allerdings fungierte dieser eher als eine Art Gartenanlage. Die Funktion der ovalen Konstruktion ist bis heute unklar.

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Ausschnitt der Ruinen der Domus Augustana: erbaut unter Domitian.

Tag 4

Diesen Tag verbrachten wir ausschließlich im kleinste Staat der Welt: dem Vatikan.

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Obwohl wir doch schon recht früh dort waren, war der Andrang bereits groß. Ich muss ehrlich sagen, das kann einem schon den ein oder anderen eindrucksvollen Moment rauben. Die Baugeschichte von St. Peter ist von zahlreichen Bauplänen, teils Umsetzungen und dann wieder Abrissen und Neubauten geprägt. Kurz: es ist kompliziert. Dennoch ist die Kirche eine der Schönsten, sowohl von innen als auch von außen. Und obwohl es hier nicht danach aussieht, sind wir höchstens 15 Minuten angestanden. Der Eintritt zur Kirche ist wie überall kostenlos. Wenn man allerdings nicht unwissend umherirren will, kann man sich in einem Nebenraum davor einer Führung anschließen- was wir dann auch taten- das wiederum hatte seinen Preis. So weit ich mich erinnern kann haben wir zusammen ca. 35 € gezahlt (mit Kunststudentenrabatt! Teuer, aber es lohnt sich!)

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Die Schweizergarde in Aktion :-D. Sie beschützen den Papst und bewachen den Vatikanpalast. Da die Schweizer als besonders zäh und zuverlässig galten wurden sie 1506 zuerst von Papst Julius II rekrutiert.

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Wir befinden uns nun vor dem Eingang zum Petersdom (es gibt insgesamt fünf davon, also von den Eingängen :)). Die Tür, die hier abgebildet ist, ist wie man sieht abgesperrt. Das hat folgenden Grund: Es handelt sich hierbei um die Porta Santa (hl. Pforte). Sie wird nur während des heiligen Jahres geöffnet und ist im Inneren der Kirche zugemauert.

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Da ist es, das Werk, das Michelangelo zum endgültigen Durchbruch verhalf: Die römische Pietà. Ein echter Augenschmaus, ich hätte sie mir stundenlang ansehen können. Und hätte ich es schon damals gewusst, dass ich zwei Jahre später eine Seminararbeit darüber schreiben würde, hätte ich es wohl auch getan. Leider, leider, leider!!!! nur noch hinter Panzerglas zu bewundern, da sie 1972 bereits zum zweiten Mal beschädigt wurde (durch einen Geistesgestörten). Besonders Maria wurde dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch aufwendige Restaurierungsarbeiten jedoch wurde sie originalgetreu wiederhergestelllt.

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Neben der Pietà von Michelangelo ist auch der Baldachin von Bernini ein echter Hingucker. Die eingedrehten Säulen sowie das Dach mit den Engeln und dem floralen Schmuck wurden aus den Bronzeplatten des Pantheons gegossen.

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Die Bronzestatue des heiligen Petrus ist ebenfalls ein berühmtes Denkmal des Doms. Der rechte Fuß, hier leider von diversen Köpfen verdeckt, ist plattgeschliffen, aufgrund der Küsse von Pilgern (besonders von Frauen), die Segen von dem Heiligen erbitten.

Im Anschluss ging es ins nebenan gelegen Vatikanische Museum. Wenn man denkt, dass auf dem Petersplatz und in der Kirche schon was los war, dann wird man hier nochmal eines Besseren belehrt. Der Andrang war extrem groß. Was wir an Wartezeit beim Petersdom eingespart hatten, haben wir hier schnell wieder aufgeholt. Es waren bestimmt an die 45 Minuten, und der Eintritt war auch nicht billig (so weit ich mich zurückerinnere waren es regulär 20€ pro Person und für Kunststudenten 15€). Als wir dann endlich drin waren, sah es leider auch nicht besser aus. Überall nur Menschen. Man wird von einem Raum in den nächsten geschoben und kann sich kaum auf die tollen Kunstwerke besinnen. Wovon ich ebenfalls nicht begeistert war, dass sich inmitten der langen Korridore Verkaufsstände für Souvenirs befanden.

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Das Goldstück des Museums: Die Sixtinische Kapelle. Wir hatten uns vorher doch tatsächlich im Museum verirrt bis wir es endlich hierher geschafft hatten. Es gibt also einen Grund warum überall Pfeile an den Wänden prangen :-D. “Schatz sieh nur, wir haben es geschafft wir sind in der sixt…ääähhh jaa.. Menschen überall -.-” Es gibt zwei Grundregeln wenn man da drin ist: 1. Man darf nicht sprechen. Und 2. Es dürfen keine Fotos gemacht werden. Überall im Raum verteilt stehen Wachleute die ständig: “SSSsccchhhhhhhhttttttt.” rufen oder “No pictures!!” – Jetzt ratet mal welche der beiden Regeln wir nicht befolgt haben ;-). Naaa erkennt ihr das berühmte Freskengemälde von Michelangelo? Ich glaube wenn man ganz alleine in diesem Raum ist und all die aufwendige und wunderschöne Arbeit auf sich wirken lässt, könnte man sich darin verlieren. Wirklich einmalig!

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Hier gings zum Ausgang. Nur eine Treppe, aber schön :-).

Tag 5

Unsere Reise neigte sich dem Ende zu, also beschlossen wir noch einmal in der Stadt spazieren zu gehen, letzte Impressionen zu sammeln bevor es am späten Nachmittag wieder zurück nach Deutschland ging.

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Ich wollte es mir bei dieser Gelegenheit nicht nehmen lassen einen Abstecher zum berühmtesten Brunnen Roms zu machen: dem Fontana die Trevi. Der Legende nach soll der Wurf einer Münze mit der linken Hand über die rechte Schulter Glück bringen. Gesagt, getan.

Nachdem ich mir ein paar Andenken in einem nahe gelegenen Souvenirshop geholt hatte, spazierten wir ziellos durch die Gassen Roms. Da wir noch ein wenig Geld übrig hatten gönnten wir uns ein einfaches aber extrem teures Mittagessen am Piazza Navona mit bestem Blick auf den berühmten Vierströmebrunnen von Bernini (deswegen auch so teuer). Es zeigt die Flüsse der damals vier bekannten Erdteile.

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Die Darstellung des Nils, der sein Antlitz verhüllt, da dessen Quellen damals noch nicht bekannt waren. Seine Merkmale sind der Löwe und die Palme.

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Der Ganges: zu seinen Füßen liegen ein Drache und ein Ruder. Dies weist darauf hin, dass der Fluss lang und schiffbar ist.

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Die Donau: unter der Figur befindet sich das Wappen des damaligen Papstes sowie der Schlüssel des Petrus. Damit wurde auf den Bereich angespielt, der damals noch katholisch war. Somit sollte der politische Anspruch des Papstes verdeutlicht werden. Seine Merkmale sind das Pferd und die Schlange.

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Zuletzt Rio della Plata: seine orientalischen Gesichtszüge verweisen auf den Erdteil aus dem der Flussgott stammt. Er ist aufgeschreckt und blickt mir erstaunter Miene zum Obelisken, der sich in der Mitte des Brunnens befindet. Auf diesem Bild leider nicht erkennbar, befindet sich der Gott über einem ausgebrochenem Felsblock aus dem Münzen herabfallen. Es ist ein Hinweis auf die Berge in Südamerika.

 

Damit beende ich meinen Eintrag über Rom. Ich hoffe, ich konnte Euch einen interessanten Überblick über die Stadt verschaffen, auch wenn wir noch längst nicht alles zu Gesicht bekommen haben. Irgenwann wird es sicherlich noch einmal einen Kurztrip nach Rom geben, wo ich mir dann die restlichen Sehenswürdigkeiten vornehmen werde.

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